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Der lange Weg zum neuen ZSC-Stadion

Im Oktober 2022 wurde das neue Stadion der ZSC Lions eröffnet. Das wäre nicht möglich gewesen ohne jahrelanges, systematisches und erfolgreiches Lobbying. ZSC-CEO Peter Zahner erzählt, wie er Politik und Behörden vom Stadionprojekt überzeugen konnte.

Der erste Eindruck ist überwältigend: Aus den Boxen dröhnt AC/DC; der riesige Videowürfel über der Eisfläche – der grösste in Europa – zeigt Highlights vergangener Spiele; die blau-rot-weiss erleuchteten Seitenfenster erinnern an eine gotische Kathedrale. Willkommen im neuen Zürcher Eishockeystadion, das im November 2022 eröffnet wurde und neue Massstäbe im Schweizer Sport setzt.

Nicht nur das Stadion ist bemerkenswert, sondern auch seine Entstehungsgeschichte. Im September 2008 skizzierte Peter Zahner, der CEO der ZSC Lions, die Idee eines neuen Stadions erstmals auf einer A4-Seite. 14 Jahre später konnten die ZSC Lions das Stadion feierlich einweihen. Angesichts der leidvollen Erfahrungen der Stadt Zürich mit dem Bau neuer Stadien ist das eine kurze Zeit. Und der ganze Planungs- und Bauprozess ging erst noch ziemlich geräuschlos über die Bühne. Polemik wie bei anderen Grossprojekten im öffentlichen Raum gab es rund um das neue ZSC-Stadion kaum.

Die Swiss Life Arena in der Bauphase
Der Bau der Swiss Life Arena dauerte von 2019 bis 2022

Was haben die ZSC Lions richtig gemacht? Diese Frage wird Peter Zahner seit der Eröffnung oft gestellt. «Wir haben zuerst unsere Hausaufgaben erledigt, bevor wir auf die Behörden und die Politik zugegangen sind. Finanzierung, Eigenmittel, Raumbedarf, Fassungsvermögen, Argumente, warum wir ein eigenes Stadion brauchen – das war alles geklärt und transparent. So haben wir uns Vertrauen erarbeitet», blickt Peter Zahner zurück.

Zwei strategische Weichenstellungen erwiesen sich als besonders wichtig: Erstens entschied der Verwaltungsrat bewusst, sich zurückzuhalten und die gesamte Kommunikation an CEO Peter Zahner zu delegieren. So etablierte sich rasch ein «One Voice»-Prinzip und alle Anspruchsgruppen – Politik, Verwaltung, Medien – wussten immer, an wen sie sich wenden konnten. Zweitens bemühten sich die ZSC Lions um einen Austausch auf Augenhöhe mit der Stadt. Sie wollten nicht zu fordernd und forsch auftreten, aber auch nicht Bittsteller sein.

Peter Zahner, CEO ZSC Lions
Peter Zahner, CEO ZSC Lions

Ganz zentral war das politische Lobbying. Der Stadtrat (Exekutive) und der Gemeinderat (Legislative) mussten dem Kredit für den Stadionbau zustimmen. «Ich hatte nur wenig Erfahrung mit politischen Prozessen und am Anfang auch kein Konzept auf Papier, aber viele Ideen im Kopf», schmunzelt Peter Zahner. Er habe zuerst mit jenen Politikerinnen und Politikern gesprochen, die dem Stadion positiv gegenüberstanden, dann aber rasch gemerkt, dass es mindestens so wichtig ist, mit den Gegnerinnen und Skeptikern das Gespräch zu suchen.

Ich habe immer versucht, mich in die Position meines GegenĂĽbers zu versetzen, um die passenden Argumente zu finden.

«Ich habe immer versucht, mich in die Position meines Gegenübers zu versetzen, um die passenden Argumente zu finden. Wenn jemand aus Umweltbedenken gegen das Stadion war, habe ich erklärt, dass Teams von uns fürs Training sogar bis nach Romanshorn fahren müssen, weil es in der Stadt Zürich nicht genügend Eisflächen gibt. Wenn jemand fand, das Hallenstadion sei doch ausreichend, habe ich den Belegungsplan auf den Tisch gelegt. Und wenn jemand die Meinung äusserte, der Spitzensport müsse sich finanziell selbst tragen, habe ich erklärt, dass das Stadion privat finanziert ist und somit keine Steuergelder benötigt werden – aber dass die Stadt mit einem verzinsbaren Kredit mithelfen soll», erläutert Peter Zahner seine Strategie.

Insgesamt führte Peter Zahner rund 80 Gespräche mit Mitgliedern des Gemeinderats. Die Fraktions- und Parteipräsidien waren stets informiert, auch das war eine wichtige Massnahme zur Vertrauensbildung. Das Lobbying hatte Erfolg: Nachdem im September 2015 bereits der Stadtrat zugestimmt hatte, sagte im Juni 2016 auch der Gemeinderat mit 93 zu 19 Stimmen deutlich Ja zum städtischen Kredit.

Aussenansicht Swiss Life Arena ZSC Lions
Das neue ZSC-Stadion in ZĂĽrich Altstetten

Danach blieben noch zwei Hürden: Die Volksabstimmung im September 2016 brachte ein solides, wenn auch nicht überdeutliches Ja von 56,6 Prozent. Doch Einsprachen hätten das Projekt immer noch um Jahre verzögern können. Und mit den Familiengärten, die für das Stadion weichen mussten, war Konfliktpotenzial vorhanden. Peter Zahner erinnert sich: «Ich stand an der GV vor 400 Familiengartenbesitzern und wurde ausgebuht. Wir haben dann zusammen mit der Stadt dafür gesorgt, dass alle, die wollten, einen Ersatzgarten bekamen und haben uns an den Umzugskosten beteiligt. Das hat die Gemüter zum Glück beruhigt.»

Wir haben immer versucht, nicht zu drohen und zu fordern, sondern vielmehr zu argumentieren, zu informieren und Gegenargumente ernst zu nehmen.

Als Zürcher Sportfan stellt sich zum Abschluss die Frage: Was haben die ZSC Lions besser gemacht als die Fussballclubs? Peter Zahner erklärt: «Mein Eindruck ist, dass die Fussballclubs zu stark mit der Haltung ‹Wir wollen ein Stadion, also baut uns eines› aufgetreten sind. Unsere Botschaft war hingegen: ‹Wir brauchen ein Stadion, und das bringen wir mit›. Wir haben immer versucht, nicht zu drohen und zu fordern, sondern vielmehr zu argumentieren, zu informieren und Gegenargumente ernst zu nehmen. Das hat gewirkt.»

Garderobe in der Swiss Life Arena
Blick ins Innere des Stadions: Die Garderobe der ZSC Lions

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